Hier finden sich Texte und Gedichte, die im Rahmen der Gruppe entstanden sind, sowie auch eigene. Viel Spaß beim Lesen!
Geheimnisvoll sein.
Unnahbar fast.
Was verbirgt
So facettenreich
Ein Charakter –
Und warum?
©A.-C.Sch.
*
Ständige Begleiter
Manchmal werfe ich mir die Worte schnell
über die Schulter nur um ein paar Schritte
an der frischen Luft zu gehen
Manchmal verweht ein Sturm
alle Großbuchstaben
und ich hüte die Kleinen
Manchmal stapeln sich die
Worte wie Altpapier
vor meiner Haustür
Manchmal liegen sie
in der Nacht bei mir und wir
flüstern bis spät
Manchmal hämmern die Worte
in meinem Kopf als müssten sie sterben
wenn ich sie nicht herausließe
Manchmal wachsen sie mir aus der
zu kleinen Kragenweite und
tragen ihre Blüten für mich
Manchmal tropfen die Worte auf
mein weißes Blatt verloren
und frierend wie an einem Januarmorgen
Manchmal singen sie mir ein Lied von Höhen
und Tiefen das mir der ganze Tag nicht mehr
aus dem Kopf geht
Manchmal sättigen mich die Worte so
dass ich ihre Reste fortlegen muss
für eine andere Stunde
©Lydia G.
*
Heimat
Heimat,
das ist Nordseeluft!
Ich atme tief ein,
stehend im Wind
auf dem Deich,
dem Möwenschrei lauschend.
Ich bin wieder da,
mein zu Hause.
Die Stadt?
Nur unbekannte Menschen.
Straßen der Kindheit?
Alles verändert.
Stätten der Erinnerung?
Manche gibt es noch, doch
vieles verbaut, unvertraut.
Nicht mehr meine
Heimat
©Ingrid G.
*
Indianer
Wir haben kurze Hosen an, rasen wie wild durch die Wohnsiedlung, galoppieren auf unseren Rädern der Freiheit entgegen. Sogar an Proviant haben wir gedacht. Eine Tüte BonBon, eine Caprisonne Orange. Zur vollendeten Sicherheit noch eine Taschenlampe im Rucksack, heimlich das Taschenmesser – wir wissen nie, wem wir begegnen werden. Vom Schwarzen Mann haben wir gehört. Erlebt wohl im Wald.
Schnell fliegen wir auf unseren Pferden an Feldern vorbei, reiten auf geheimen Pfaden durch den Wald zur kleinen Lichtung mit dem See, in dem sie liegt – die Insel, die heute uns gehört, unserem Forscherdrang.
„Brrr, Brrrrrrr. Bleib stehen.“ Mit durchdrehenden Reifen bleiben die Pferde stehen, ihr unsichtbares Zaumzeug an einem unsichtbaren Pfahl schnell befestigt. Lautlos wie die Indiander schleichen wir an den Zaun, klettern geschickt über das unüberwindbare Tor, den Hochsitz fest im Blick – sind doch unsichtbar.
„Wie kommen wir durch den See?“ „Schwimmen!“ Den Blick fest auf das schwarze Nass gerichtet, zeigt uns unsere Phantasie, welch Ungeheuer am Grund nur auf uns wartet. Ein mulmiges Gefühl in der Bauchgegend muss Hunger sein. Caprisonne trinkend und BonBon kauend ist der Indianer in uns für kurze Zeit vergessen. Sein Mut. Die Insel erscheint gar nicht mehr so wichtig. Wir erforschen das Ufer, stochern mit riesigen Ästen im See. Sitzen im Gras, erzählen. Schon wiehern die Pferde. Brrrr, ruhig. Wir traben zu ihnen, sitzen auf und reiten los. Der unendlich weiten Welt entgegen. Schnell, wild, mutig. Wissend, dass wir echte Indianer sind.
©Inken L.
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Zweifel und Klarheit
Kann ich aus einer Schutthalde von Lettern
Dennoch klare Zeilen schreiben?
Wie ein Flussbett aus Kieselsteinen
zu einem gleitenden weißen Band wird?
Auch wenn heikle Worte wie unter Geröll wegrutschen
Wünsche ich in meinem Leben dennoch
klare Zeilen
©A.-C. Sch.
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geschichten fressen
auf-geträumt-verwacht
frühstücken wir nachrichtenradio
auch auf dem weg schlagzeilen
plakate verkleben mir den wunsch
zeitungen umwickeln mein abendbrot
im sprechzimmer hören die wände
ich schreibe mit - fürs archiv
kellerleichenunterhaltung
feierabend - weißt du schon?
mein film fängt gleich an
zum einschlafen lesen
was leichtes lieber - mein lieber
gegen den tag -
träum schön
©Lydia G.
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Nebel
Früher Morgen
schlaflos
denken im Kreis,
Blick aus dem Fenster,
alles weiß?
Ach nein,
ein gräulich waberndes Laken
Novembernebel.
Steigt er empor?
Eine dichte Wand,
drückt das Gemüt.
Das Licht nur fahl,
Sonne unterm Horizont.
©Ingrid G.
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Verlassen, verlaufen, verzweifelt.
Einfell, Zweifell, Dreifell.
Dickes Fell
Auf dünner Haut
Auf Sand gebaut.
Ein Tunnel, ein Licht
Am Ende der Stadt.
Licht an, Licht aus, Licht an.
Ein dickes Fell auf dünner Haut
Auf Sand gebaut.
©Inken L.
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Herbstgedicht
grau
das Novemberlicht
drinnen weich gefiltert
schützend vor rastloser Flucht:
Kerzenschein
©A.-C. Sch.
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